In den Ländern werden Lehrer*innen für die digitale Bildung weitergebildet? Echt?

„In den Ländern bereite man sich bereits auf die weitere Digitalisierung der Schulen vor – etwa durch Lehrerfortbildung, so die Ministerin.“ – wo passiert da was? Aus Brandenburg habe ich so was noch nicht gehört, die sind hier erst mal damit beschäftigt überhaupt mehr Lehrer*innen ausbilden zu können…

www.news4teachers.de/2019/01/digitalpakt-im-vermittlungsausschuss-soeder-glaubt-nicht-an-eine-schnelle-einigung/

„Digitalpakt“ egal wie – aber was eigentlich?

Wenn ich das richtig verstehe wird ab gestern heute abend verhandelt? Und wenn ich das weiterhin richtig verstanden habe, dann geht es den Verhandler*innen vor allem um die Causa „Grundgesetzänderung“? – Schön! – aber: Wofür die Digitalpakt-Gelder denn dann ausgegeben werden sollen scheint in einer Verwaltungsvereinbarung zu stehen. Kennen wir die?

„Dem Vernehmen nach wollen sie einen einmaligen, auf fünf Milliarden Euro begrenzten Transfer von Steuermitteln über die Umsatzsteuer zugunsten der Länder, und im Gegenzug gehen die Kultusministerien eine Berichtspflicht gegenüber dem Bund ein. Sie sollen nachweisen, dass sie die Gelder auch entlang der ausgehandelten Digitalpakt-Ziele einsetzen. Diese Ziele hatten Kultusministerien und Bundesbildungsministerium im November in eine – allerdings nicht mehr formell unterzeichnete Verwaltungsvereinbarung gegossen.

www.jmwiarda.de/2019/01/30/ab-top-4-wird-es-ernst/

Learning in Digital World – und in einer neuen Hochschule

Am vergangenen Donnerstag war ich Gast auf dem QPL-Workshop „Praxis trifft Forschung – Learning in a Digital World“ zu dem das Frankfurter Projekt „Starker Start“ eingeladen hatte und auf dem „Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte“ und „fachspezifischer Transfer in die Lehrpraxis“ zum Thema Digitalisierung der Hochschulbildung im Mittelpunkt standen. Die wichtigste Botschaft, die ich aber aus dem Tag mitnehme ist, das wir „Hochschule neu denken“ müssen. Neben den Workshops zum „Data Enhanced Learning“ mit von Prof. Dr. Marcus Specht (Delft) und zur „digitalen Lehre in den Geisteswissenschaften und Jura 2030“ die durch Prof. Dr. Barbara Wolbring (Frankfurt a.M.) moderiert wurde, war es vor allem die Keynote von Prof. Dr. Susanne Weissman die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die ganze Keynote kann im aufgezeichneten Livestream ab Minute 35:00 betrachtet werden.

Susanne Weissmann ist Vizepräsidentin an der TH Nürnberg Georg Simon Ohm und in dieser Funktion verantworlich für Personalentwicklung und Weiterbildung sowie Hochschulentwicklung und die Digitalisierungsstrategie. Einen weiteren Eindruck von Prof. Dr. Weissmann bekommt man in dem Videobeitrag für den Stifterverband „Wie Digitalisierung die Hochschulen verändert“ Sehr angenehm finde ich Frau Weissmanns Herangehen, beispielhaft zum Mentalitätswandel der Net-Generation: Das ist einerseits informiert und von wissenschaftlichen Positionen getragen, aber vor allem scheint es ihr darum zu gehen, überhaupt erst mal besser zu begreifen, was eigentlich mit den Menschen in der Digitalisierung geschieht. Und zwar ohne einerseits die Dynamik zu verkennen, die jede Erkenntnis als vorläufige umwerten kann und ohne sich andererseits sich zu einem Urteil zwingen zu lassen, weil wir uns ja doch nach einem Fundament für unser Handeln sehnen. Die zentrale Position von Frau Weissman war aber für mich:

Die Strukturen der Hochschule sind für das digitale Zeitalter („vielleicht“) nicht mehr zeitgemäß. Kluge Köpfe und kluge Menschen müssen sich die Frage stellen, wie Veränderung und Gestaltung der Hochschule „als Ganzes“ in Angriff genommen werden kann. Dies ist die mentale Neuausrichtung, zu der wir gezwungen seien, um die notwendige Reform der Hochschulen in Bewegung zu bringen, welche zwar die „umwerfenden“ (B. Böhning) Auswirkungen der Digitalisierung anerkennt aber trotzdem „nicht vom Fleck kommt“, sich „verheddert“ und mit „operativen Problemen“ zu kämpfen habe.

Eine schöne Metapher für die aktuelle Gleichzeitigkeit aus Modernisierung (des Medieneinsatzes) und Perpetuierung der (traditionellen) Lehr-/Lernkonzepte ist das von Frau Weissman angeführte „Blended Learning“ als „bequeme Antwort“ auf Digitalisierung: Man spricht von der Kombination der Stärken der beiden Ansätze, im Prinzip bleibt aber allzu oft das Lehrkonzept im Kern nicht angetastet. Die Selbststudienphasen werden medial aufgepeppt, die Methoden und das Vorgehen in der Präsenz ändert sich nicht. Man kann dieses Logik weiter führen: „Learning Management System“, „Vorlesungsaufzeichnung“ und „E-Prüfungen“ lassen sich ebenfalls unter Beibehaltung des bisherigen, jetzt medial modernisierten, Lehr-/Lernarrangements nutzen. Im übrigen ein sattsam bekanntes Phänomen an dem sich bereits Kohorten von Medien-/Bildungswissenschaftler*innen abgearbeitet haben.

Wir müssen Hochschulen nicht „digitalisieren“ sondern neu denken, um die Herausforderungen einer digitalisierten Welt zu bewältigen

Meine allererste Reaktion auf die Forderung „Hochschule ganz neu denken“ war übrigens der Gedanke „Aha, mit dem E-Learning und dem Neuen Lehren & Lernen hat es nicht so geklappt, dann fordern wir jetzt mal ‚Alles muss sich ändern‘?“ Hochschule ganz neu denken! Wo kann eine solche Diskussion geführt werden, wer ist bereit diese zu führen? Wer in einer führenden Position in einer Hochschule ist bereit, solche Prozesse zu wagen?

 

Lässt man es sich weiter durch den Kopf gehen, bekommt es allerdings immer mehr Sinn. Digitalisierung ist ohne organisatorischen Wandel nicht möglich, Wandel kann nicht ohne Veränderung in den Köpfen stattfinden. Die „Neukonfiguration der Strukturen“ ist nicht nur die wichtigste Organisationsaufgabe der Hochschulen für eine digitale Welt, sondern sie wird durch Digitalisierung auch möglich. Allerdings: „Neue Formen“ lassen sich nicht ohne einen neuen Inhalt denken. Es wäre auch notwendig die Ziele der Hochschulbildung in den Blick zu nehmen. Und ich denke, dass dies auch die sich langsam verbreitende Erkenntnis sein wird: Wir sprechen von der Digitalisierung als die Bedingung, die – zusammen mit anderen Entwicklungen – die Institutionen der Bildung zur Veränderung herausfordert.

Workshop: Perspektiven der Vernetzung von E-Portfolio-Akteuren im deutschsprachigen Raum

Workshop des German Chapter Europortfolio-Projekts: Perspektiven der Vernetzung von E-Portfolio-Akteuren im deutschsprachigen Raum im Rahmen der der Fachtagung „Bildungsräume 2017“

Datum: Dienstag, den 05.09.2017
Uhrzeit: 17:30 – 19:00 Uhr
Ort : TU Chemnitz, Str. der Nationen 62, 09111 Chemnitz

Im Dezember 2014 haben sich E-Portfolio-Anwender*innen, Forscher*innen und Interessierte im German Chapter der Europortfolio-Initiative vernetzt (#europortfolioDE). Im rund 150 Mitglieder umfassenden Netzwerk werden Fragen der Anwendung und Weiterentwicklung von E-Portfolios in Schule, Hochschule sowie Erwachsenen-/Weiterbildung diskutiert. Dank dieser kontinuierlichen Arbeit haben sich wertvolle Vernetzungen auf persönlicher und institutioneller Ebene bilden können. Wir sehen das German Chapter des Europortfolio-Projekts nach zweieinhalb Jahren kontinuierlicher Arbeit aber auch an einem Punkt, an dem wir über die weiteren Perspektiven nachdenken sollten: Einerseits hat sich die Community über den regionalen Länderkontext hin ausgeweitet, andererseits haben sich auch die Konzepte und Praktiken der Portfolio-Arbeit und angrenzender Gebiete (Open Badges, Personal Learning Environments) weiterentwickelt. Wir möchten im Rahmen der Fachtagung „Bildungsräume 2017“ (http://bildungsraeume2017.de) von GMW und GI die Gelegenheit nutzen, in einem größeren Kreis von Interessierten mögliche Entwicklungsperspektiven der Vernetzung von E-Portfolio-Akteuren zu diskutieren.

Die Teilnahme am Workshop beinhaltet nicht die Teilnahme an den Fachtagungen! Den Überblick über das Gesamtprogramm findet Ihr hier.

Elektronische Prüfungen – die Zeit ist reif, die Organisation nicht?

Die Verwendung von Computern für die Abwicklung von Prüfungen findet immer mehr Verbreitung in den Hochschulen, in Veröffentlichungen und auf Tagungen ist das Thema präsent. Interessant ist das Thema aber auch deshalb, weil sich daran zeigen lässt, wie sich Digitalisierung in der Bildung entwickelt und wo sie an Grenzen des Systems stösst. 

Samstagmorgen 09:40 Uhr. Die Mitarbeiterin aus dem Zentrum für Sprachen und Schlüsselkompetenzen sagt noch einmal „Good Luck on your Test“ und die „Elektronische Eignungsprüfung“ im Fach Anglistik beginnt. Jetzt ist für die nächsten eineinhalb Stunden fast nur noch leises Mausklicken und Tastaturgeklapper zu hören. Im vierten Jahr führen wir jetzt an der Universität Potsam diese Form der Eignungsprüfung durch und mit jedem Jahr wurde der Prozess reibungsloser und einfacher. Heute werden zwei mal im Jahr Eignungsprüfungen mit jeweils fast 200 Teilnehmer*innen in zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen in zwei Poolräumen des Instituts für Informatik durch.

Es ist wichtig zu zeigen, dass etwas funktioniert – auch wenn es nicht optimal ist

Das eigentliche Testsystems hatten wir dabei eigentlich relativ schnell im Griff: Ein separates Standard-Moodle als, die Konfiguration, dass dieses System nur aus dem Uni-Netz erreichbar ist, plus manuelle Steuerung, dass die Tests vor und nach der Prüfung nicht erreichbar sind haben bisher noch keine Sicherheitslücken aufgetan. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurden die Grundkonfiguration und die ersten Durchgänge entwickelt und begleitet.

Bundesarchiv Bild 102-11344, Intelligenzprüfung schulentlassener Mädchen
Prüfung 1931 (Bundesarchiv)

Trotz stattgefundener Modernisierung ist aber beispielsweise die Vorbereitung der Poolräume mit hohem Aufwand verbunden. Einerseits müssen die Pools hard- und softwareseitig aktuell gehalten werden, andererseits müssen die Mitarbeiter*innen bereits sein, diese zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen – denn eigentlich handelt es sich hier ja nicht um Räume, die für Tests vorgesehen sind. Nervig ist daher immer noch, dass wir die Rechner vor jeder Prüfung manuell hochfahren, Betriebssystem und Browser in Gang setzen und die Startseite für die Prüfung eintippen müssen. In Zukunft soll auch dies automatisiet werden, was auch diesen Teil des Prozesses für alle vereinfachen wird. Nicht
so einfach ist es aber die Zusammenarbeit von verschiedenen Einrichtungen dauerhaft zu etablieren, wozu auch gehört, das gegenseitige Verständnis für die Sicht- und Arbeitsweisen der Expert*innen zu entwickeln, zu begreifen, was zu den Standardaufgaben der jeweilig anderen gehört und was nicht. Einerseits können einem Aussagen wie „das gehört aber doch zu seinem/ihrem Job“ begegnen. Andererseits sind historisch gewachsene Prozesse und Verfahrensweisen (etwa das „Anmelden zur Prüfug in letzter Minute“) die im Paper-Pencil-Verfahren kein Problem darstellen mit dem entsprechenden Prozess von „Nutzer*in anlegen“, „Passwort generieren“ und „Ausdrucken für die Teilnehmer*in“ einfach nicht so kurzfristig zu machen, wie das eintragen einer*s Teilnehmer*in in einer Liste. Auch der Vorgang, aus den Ergebnissen die Bescheinigungn zu erzeugen und per Mail zu versenden erwies sich als hartnäckig undigitalisierbar. Hier wurde zwar eine kleine smarte Software gebaut, die erwies sich aber als ziemlich pflegebedürftig und konnte erst nach einigem Hin und Her zu einem funktionierenden Workflow umgebaut werden. Knackpunkt hierbei war, dass die Lösung gegenüber kleinsten Fehleingaben intolerant war und die Beschäftigung mit Zeichensätzen, Feldformatierungen und Excelversionen nicht zu den Kernaufgaben der Verwaltungsmitarbeiter*innen gehört und das Tool ohne persönliche Betreuung unbrachbar war.

Technik und Konzepte sind nicht das Problem, das Problem ist es, die „Organisation Hochschule“ in Bewegung zu bringen

Anglistikprüfung Uni Potsdam 2017 (eigene)
Anglistikprüfung
 Uni Potsdam 2017 (eigene)

Inzwischen sind alle glücklich mit der Lösung und die Eignungsprüfung hat sich zum Pilotprojekt für das Thema E-Prüfungen an der Universität Potsdam gemausert. Es hat sich gezeigt, dass wir trotz anfänglich großer Bedenken in der Lage sind mit der vorhandenen Technik und durch de Einsatz von engagierten Menschen etwas auf die Beine zu stellen dass Modellcharakter haben kann. Auch rechtliche und administrative Rahmenbedingungen lassen sich so anpassen, das E-Prüfungen rechtssicher sind und sich beispielsweise die Einsichtnahme durch Prüflinge problemlos realisieren lässt. Wir haben sehr viel gelernt in den vergangenen vier Jahren und fühlen uns nun gut gewappnet das Thema E-Assessment in größerem Maßstab anzugehen. Hätte es hier nicht einen gewissen Mut zum Risiko gegeben, wären wir heute nicht an diesem Punkt. Wir bekommen auch jede Menge gut gemeinter Ratschläge von vielen Seiten, wie wir die Prozesse weiter automatisieren, optimieren, modernisieren und effektiver machen können. Aber das Problem ist nicht, dass wir nicht wissen, was wir machen müssten, sondern das wir an die Grenzen der Organisation Hochschule stossen.

Technische Innovation ohne organisationale Erneuerung ist sinnlos

Grassierende Überlastung, implizite und explizite Normen, endlose Prüfschleifen statt Entscheidungen, eine immer noch vielerorts vorherrschende this-is-not-my-job-Haltungen, Abgrenzungs- und Wagenburg-Mentalität hinsichtlich von Einfluss- und Kompetenzbereichen, offener oder verdeckter Unwillen zur Kooperation und eine spürbare Abneigung von Verantwortlichen sich diesen Herausforderungen zu stellen: Diese Phänomene machen es so schwierig in der Hochschule sinnstiftende Innovationen umzusetzen. Beim Thema E-Prüfungen kann man daher den Lackmustest machen. In den letzten Jahren haben sich Technologie, Praxis und wachsender Erfahrungsschatz der E-Prüfungen auf die Plateau der Produktivität im Hype-Cycle zubewegt: Man muss es einfach nur noch tun, dann lassen sich die positiven Effekte verstärken und weiter entwickeln, dann lässt sich durch technologische Entwicklung der Freiraum für didaktische Innovation schaffen. Es einfach zu tun bedeutet aber auch nicht, die Entwicklung hin zur Digitalisierung als alternativlosen Megatrend zu propagieren und mit diesem Killerargument die allfälligen Widerstände und Hemmnisse die sich meist aus dem menschlichen Faktor speisen (und sich in menschlichen Organisationsweisen vergegenständlichen) plattzubügeln. Wirklich alternativlos ist es hingegen, die organisationalen Hemmnisse zu thematisieren und sich nicht auf die Inseln des Gelingens (mit einem Leuchtturm in der Mitte…) zurückzuziehen.

Wir sind ja kein Unternehmen! - von Daniel Al-Kabbani auf http://constructive-amusement.weebly.com/
Wir sind ja kein Unternehmen! – von Daniel Al-Kabbani auf constructive-amusement.weebly.com

Lehrdeputat für E-Learning: „Gleichwertigkeit“ als Schlüssel?

Der lange Weg zur Deputatsregelung

Die so genannte Deputatsregelung für E-Learning beschäftigt mich jetzt schon eine ganze Weile (z.B. hier). Seit einigen Jahren haben wir das Thema immer wieder an der Uni Potsdam ins Gespräch gebracht, zuletzt mit einer Vorlage für eine uniweite Regelung, die wir nun in den Fakultäten erproben wollen. Im Kern geht es darum, den Lehrenden einen Rahmen dafür zu schaffen, in dem sie die Erfüllung der Lehrverpflichtung (das “Lehrdeputat”) in Form von E-Learning-Formaten leisten können. “In Form von E-Learning-Formaten” meint in diesem Zusammenhang, dass
Präsenzveranstaltungen durch geeignete E-Learning-Aktivitäten ersetzt werden können: Also z.B. jede zweite Woche findet kein Präsenztermin statt, sondern es finden online-gestützte Aktivitäten statt. In der E-Learning-Sprache wird dies Blended-Learning genannt. In vielen Bundesländern existieren solche explizit auf E-Learning bezogene Regelungen auf Landesebene. In der Veröffentlichung „The Digital Turn – Hochschulbildung im digitalen Zeitalter.“ des Hochschulforum Digitalisierung wird jedoch zu diesen Regelungen festgestellt (S. 29):

„Dennoch wird anhand der Regelunginstrumente ‚Vergleichbarkeitsprüfung‘, ‚Nachweispflicht‘, ‚Höchstgrenzen‘, ‚Befristung‘ sowie ‚Sicherung des Gesamtlehrangebots‘ eine gewisse Skepsis gegenüber der digitalen Lehre deutlich. Es bleibt festzustellen, dass die bestehenden Regelungen zur Anrechenbarkeit noch nicht die breite Nutzung digitaler Lehre an deutschen Hochschulen ermöglichen.“

Gleichwohl gibt es aber auch an den Hochschulen in Brandenburg eine verbreitete Praxis und Akzeptanz dafür, räumliche Ko-Präsenz teilweise durch geeignete Online-Formate zu ersetzen.

Die Anrechnung von Lehrveranstaltungen als Thema für die Hochschuldidaktik

Auf der jetzt zu Ende gegangenen Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschuldidaktik hatten wir (Bereich Lehre und Medien im ZfQ der Uni Potsdam) gemeinsam mit Heiko Witt von der Uni Hamburg und Ulf-Daniel Ehlers von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg eine so genannten Diskurswerkstatt zu diesem Thema. Auf der Grundlage der Erfahrungen aus unseren drei Hochschulen war es unser Ziel, Kernthemen und Knackpunkte für Rahmung und Umsetzung von E-Learning-Deputatsregelungen herauszuarbeiten. Das ist uns dann auch gemeinsam mit den etwa einem Dutzend
Teilnehmer*innen wie ich finde gut gelungen. Ausgehend von den Themen und Fragestellungen in der Gruppe sind wir zu Clustern gekommen wie: “Qualität der E-Learning-Veranstaltungen”, “Rolle der StudiendekanInnen”, “Motivation und Anreiz der Lehrenden”, “Einführungs- und Umsetzungsstrategien”. Die detaillierte Aufarbeitung der Ergebnisse wird noch folgen.

#dghd2017: Erster Flashback

Einige Eingebungen und Anregungen, die im Laufe der Vorbereitung und Durchführung der Diskurswerkstatt angefallen sind,  möchte ich aber schon mal festhalten:

  • Es bestätigt sich an allen Hochschulen, dass die Diskussion um die Lehrverpflichtungserfüllung durch E-Learning tief in die Fragen nach Kontrolle der Lehrenden, Sicherung der Lehrqualität und der entsprechenden Qualitätskultur hineinragt. Das trägt nicht immer zur Akzeptanz bei…
  • Der Aufwand, der für die Entwicklung von E-Learning betrieben wird, muss in irgendeiner Weise berücksichtigt werden. Das Argument “wird bei der anderen Lehre ja auch nicht gemacht”, darf nicht zu Lasten des E-Learning gehen, bei dem der zusätzliche Aufwand evident ist.
  • Auch grundsätzliche Befürworter*innen von E-Learning zeigen sich von der Setzung der “Gleichwertigkeit von Präsenz- und Online-Lehre” verunsichert und geraten ins Grübeln, ob man das so behaupten darf.
  • Daher ist die Frage nach der Qualitätssicherung – der Qualitätvorbehalt, wie Heiko Witt das genannt hatte – unauflösbar mit dem E-Learning-Deputat verbunden: Die meist historisch gewachsenen und in großen Teilen erfahrungsbasiert und informell funktionierenden Qualitätregelkreise in Fakultäten müssten die neuen Lehrformate inkoporieren.
  • Für die Erfahrungsbildung sind explizite Rahmungen vielleicht nicht unbedingt notwendig, könnten aber ungemein hilfreich sein. Das steht leider im direkten Widerspruch zur Regelungsanimosität – vielleicht müsste man die Adressaten klarer voneinander trennen.
  • Jede einzelne der Fragen nach Qualitätssicherung, Regelungsbedarfen und Bürokratisierungstendenzen kann mehr oder weniger genauso mit Bezug auf die Präsenzlehre gestellt werden.

Eine These, die am Ende im Raum stand,  war die folgende:

Die konsequente Gleichbehandlung von On-Line und On-Site-Lehre nicht nur als Lehrformat (oder “Lehrmodus”), sondern auch in den angelagerten Problemstellungen wie Qualitätssicherung und -entwicklung, Akzeptanz bei Studierenden und Hochschulleitung, Verwaltung und Abrechnung, Mehraufwand, Interessen und Fachkultur auf Seiten der Lehrenden etc. etc. ist nicht nur möglich, sondern vereinfacht die weitere Diskussion.

Ob dies auf bekannte Forderung hinausläuft, das „E-“ müsse abgeschafft werden, weil wir die gleichen Fragen für „On-Site“ wie „On-Line“-Lehre beantworten müssen oder ob es sinnvoll ist, den relativen Experimentier- und Entwicklungsraum „E-Learning“ weiter auszuentwickeln ist mir noch nicht deutlich. Die Mitwirkenden der Diskurswerkstatt haben aber eine Weiterarbeit am Thema schon in’s Auge gefasst.

Vom Pionierprojekt zum Regelbetrieb: Einführung des E-Portfolios in der Hochschule München

E-Portfolio-Regelbetrieb bedeutet Prozessinnovation und Kontinuität in Beratung und Konzeptentwicklung

Am 18. Januar fand das Webinar des German Chapter des Europortfolio-Netzwerks zur Einführung der Portfolio-Software Mahara in der Hochschule München statt. Gisela Prey

Klick auf das Bild startet die Aufzeichnung

und Katrin Fleischmann vom E-Learning-Center der Hochschule München stellten Einführungsprozess, didaktische Konzeption, Beratungs- und Supportleistungen sowie die Verankerung in der Hochschulorganisation dar. Moderiert wurde das Webinar von Prof. Ilona Buchem. Die Aufzeichnung dieses Webinars ist online verfügbar.
Der E-Portfolio-Gedanke folgt unter anderem der Idee, die digitale Produktivität von Studierenden zu wecken und zu entwickeln. Die Nutzung und Gestaltung einer Online-Plattform für Lernen, Studium und zur Prüfung fordert spezifisches Wissen und Fähigkeiten von Studierenden und Lehrenden, das E-Portfolio funktioniert eher wie eine Mischung aus Cloud-Anwendung und sozialem Netzwerk. Insbesondere der Prozesscharakter der Portfolio-Arbeit sowie die potentielle Verzahnung von Studienorganisation, Lernen, Zusammenarbeit und Prüfungsszenarien eröffnen die Möglichkeit, didaktische Szenarien weiter zu entwickeln. Die Einführungsprozesse von E-Portfolio-Arbeit in Hochschulen interessiert mich vor allem, weil

  • E-Portfolio-Arbeit eine wichtige Rolle für die Einführung und Weiterentwicklung studierendenzentrierter und kompetenzorientierter Modelle der Lehre spielen kann
  • E-Portfolio-Arbeit einen Präzedenzfall für die Einführung und Entwicklung einer neuen E-Learning-Technologie in Hochschulen darstellt

Frau Prey und Frau Fleischmann beschreiben in ihrem Vortrag die Erfahrungen auf dem Weg von Pionierprojekten zum Regelbetrieb in der E-Portfolio-Arbeit. Ihr Fazit: Regelbetrieb bedeutet nicht nur Produktinnovation, sondern auch Prozessinnovation, dazu gehört unabdingbar die Verstetigung von Beratung und Konzeptentwicklung.

PionierInnen

Begonnen wurde 2012 mit „Pionierprojekten“. Dabei wurden Rahmenbedingungen abgesteckt wie die Software, die Konfiguration oder die Nutzungsbestimmungen aussehen sollen. Ein interessanter – aber bestimmt effektiver – Aspekt war, dass hier erfahrene E-Portfolio-AnwenderInnen dabei waren. 2014 ging es dann weiter mit 15 parallelen Pilotprojekten. Dabei wurden nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Die Erfahrungen sind in einer Evaluationsstudie ausgewertet worden.
Sei dem Jahreswechsel 2015/2016 ist Mahara dann in den Regelbetrieb an der Hochschule München gegangen, zielt aber nicht auf die flächendeckende Nutzung, sondern versteht sich als Zusatzangebot für interessierte Lehrende. Der Frage der didaktischen Passung von E-Portfolio-Konzept und Lehrveranstaltung wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet und die Entscheidung gegen die Anwendung des E-Portfolio-Konzepts findet nun öfter statt. Die Nutzungszahlen im Wintersemester 2016/17 betragen aber immerhin ca. 2.500 NutzerInnen, die in über 200 Gruppen organisiert sind.

Vier E-Portfolio-Szenarien im Einsatz

An der Hochschule München werden im wesentlichen vier didaktische Anwendungsfälle der
E-Portfolio-Arbeit umgesetzt.

  • Das Dokumentationsportfolio dient zum Beispiel als Foto-Dokumentation in der Mechatronik in dem die Studierenden einen Leitfaden für das Zerlegen und Warten einer Bohrmaschine anlegen und damit ihre Arbeit dokumentieren.
  • Die Präsentationsportfolios dienen als Tätigkeitsbericht, werden als kompetenzorientierte Multimediadarstellung alternativ zum PDF-Format angeboten und sollen formatives Feedback unterstützen. Die Präsentationsportfolios sind nicht öffentlich.
  • Lehrportfolios werden im Rahmen der Weiterbildungen des E-Learning-Centers eingesetzt und bieten Reflexions- und Dokumentationsraum für die E-Learning-Projekte der Lehrenden.
  • Die Gruppen-Reflexionsportfolios dienen als Plattform um Projektarbeiten mit externen Partnern zu Dokumentieren und eine Außendarstellung zu ermöglichen. Als Werkzeug für die Reflexion der Gruppenarbeit wurde es bisher nicht zufriedenstellend angenommen. Hier soll das Konzept in Richtung strukturierter, individueller Reflexionsportfolios weiter entwickelt werden.

Ist das Angebot da nehmen die Studierenden es auch an – wenn ihnen das „warum“ klar ist

Das Webinar hat gezeigt, wie die E-Portfolio-Anwendung als Normalfall in die die Hochschulprozesse integriert werden kann. Aufbau und Kontinuität von Beratungsstrukturen,  Kontakt und Abstimmung bpsw. mit dem Prüfungswesen, Formalisierung von Prozessen, wie der Anrechnung auf Prüfungsleistung und Aufbewahrungspflicht müssen bearbeitet und gelöst werden. Hier gehört auch die immer wieder berichtete Erfahrung dazu, dass die Studierenden nach einer Eingewöhnungsphase recht gut mit der Portfolio-Software zurechtkommen konnten. Die Erfahrungen zeigen aber auch, dass es entscheidender ist, aus der Perspektive der Studierenden die Sinnfrage zur Nutzung des E-Portfolios zu stellen, positiv zu beantworten und transparent zu machen.

Perspektivenwechsel und Mut zum „Andersmachen“ statt methodisch-medialer Aufrüstung

Ein Erfahrungsbericht von einer Beratung

Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal in einer Beratung mit einem Lehrenden der Uni Potsdam. Im Nachgang ist mir dieses Treffen noch mehfach durch den Kopf gegangen, denn mir war im Verlauf des Gesprächs klar geworden, dass wir versuchten, alleine an den methodisch-medialen Stellschrauben der Lehrveranstaltung zu drehen. Das hätte wohl zu einem (noch) ausgefeilterem E-Teaching-Szenario für die Lehrveranstaltunggeführt, aber wahrscheinlich dass Problem des Lehrenden nicht gelöst hätten.

 

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt war die Fragestellung „Was kann ich mit E-Learning-Mitteln noch machen, damit Studierende aktiver werden, damit sie stärker motiviert sind und mehr Interaktion in der Teilnehmer*innengruppe entsteht?“

Der Lehrende macht bereits einiges im E-Teaching: Dazu gehören die Bereitstellung eines gut gemachten Moodle-Kurses, das Einbeziehen von Smart-Boards in die Lehre, die Einbindung von Videomaterial, ein Interesse an mobilen Szenarien und noch mehr.
Zu den Rahmendedingungen der Lehrveranstaltung gehört dass es für manche Studierenden eine Pflichtveranstaltung ist, für einige ein Nice-To-Have, dass sich gut in der Bildungsbiografie macht. Die Mehrheit der Teilnehmenden mach diese Veranstaltung wohl nicht aus „intrinsischen“ Motiven. Ein ausgesprochender Selbststudienanteil ist nicht ausgewiesen, die Leistungserbringung ist neben der aktiven Teilnahme ein Zwischetest und eine Klausur. Im Institut wird übermäßiges Engagement in der Lehre nicht goutiert, was zu der irren Situation führt, dass der Lehrende seine E-Teaching-Aktivitäten – in die er viel Zeit investiert – nicht „an die große Glocke hängt“. Der erste Impuls und wohl auch die Erwartung des Lehrenden war: „Welche weiteren Methoden, Aktivitäten, TIpps & Tricks zur Gestaltung des Lehr-/Lernszenarios?“ Jedoch: Macht es Sinn, ist es ökonomisch auf dieser Seite der Lehr-/Lernsituation anzufangen? Bei der Aus- und Umgestaltung von Interaktionsmöglichkeiten, Ausweitung der Online-Aktivitäten, bleibt das Grundproblem bestehen. Es ist ja nicht zu erwarten, dass Studierende bspw. von einem Peer-Review Verfahren („Man sieht, dass Du dir viel Arbeit gemacht hast.“) immer inhaltlich profitieren.

 

Aus der Perspektive der Studierenden gesehen

„Distance Learning“-Szenarien stellen hohe Anforderungen an die Studierenden: In der Aufwand-Nutzen-Rechnung kommt daher ein Präsenzseminar oft besser weg als ein E-Learning-Szenario, das mehr Selbstorganisation und Prokrastrinationsmanagement der Lernenden erfordert.
Allerdings: Durch die Lehrenden ist dieser „Mehraufwand“ ja durchaus gewünscht, denn es besteht ja das didaktische Kalkül, dass diese Anstrengungen zur Entwicklung der Selbststeuerungs- und Selbstorganisationsfähigkeit beitragen. Führt man diesen Gedanken weiter, dann dürften die Online-Anteile aus der Perspektive der Studierenden gesehen nicht auf das Lehrveranstaltungskonzept „aufgesattelt“ sein, sondern müssten eine wirkliche Alternative zur Präsenzveranstaltung bieten. Es sollte nicht zwischen mehr oder weniger Aufwand, sondern zwischen dieser oder jener Arbeitsweise gewählt werden können.

 

Wie kann so ein Szenario aussehen?

Ein enstprechendes Szenario könnte so aussehen:

  • Die dreistündige wöchtenliche Veranstaltung wird in einen Präsenzteil und einen optionalen Teil getrennt, in dem die Studierenden zwischen Online-Arbeit oder der Teilnahme an dem Präsenzseminar wählen können. 
  • In den Online-Anteilen stehen vor allem Schreib- und (aktive) Leseaktivitäten sowie kollaboratives Arbeiten im Fokus.
  • Die Online-Phase müssten stark strukturiert werden. Dies hat zum Ziel, zum einen den Studierenden einen relativ festen Rahmen für das Selbststudium zu schaffen (ergebnisbezogen, terminiert, „angeleitet“) zum anderen soll dies ermöglichen, dass Online-Arbeit und Präsenz so weit wie möglich synchronisiert sind. 

In diesem Semester wollen wir nun noch einmal die Möglichkeiten von Moodle erforschen, attraktive und genügend anspruchsvolle Aktiväten zu gestalten. Weiterhin muss die Lehrveranstaltung daraufhin untersucht werden, wie eine optionale (!) Online-Arbeit und die Präsenzzeit differenziert werden können, so dass sie ein sinnvolles Ganze bilden, dass von den Lehrzielen und dem Anforderungsniveau der Präsenzveranstaltung entspricht. Und das alles muss noch für den Lehrenden mit einem vernünftigen Aufwand zu bewältigen sein.Wichtig wird es auch sein, das Gespräch mit den Studierenden zu suchen, um zu erfahren, wie diese zum E-Learning, zur Präsenz und zu den Herausforderungen selbstgesteuerter Arbeit im Studium stehen. Vielleicht stellen wir fest, dass die „Zielgruppe“ das alles gar nicht will – dann müssen wir auch den Mut haben, den Plan wieder zu begraben. Und schließlich sind die Verantworlichen im Fachbereich davon zu überzeugen, das Experiment zu unterstützen und dem Lehrenden die Freiheit einzuräumen, seine Online-Arbeit aufzuwerten.

 

Was ist das für ein Transformationsmodell?

Man kann das Vorhaben als einen Akt der Transformation von einem „Anreicherungssezanrio“ der Lehre hin zu einem „optionalen Blended-Learning“ betrachten. Kernpunkt und Herausforderung ist es, dass der Online-Anteil und die dadurch ersetzte Präsenz prinzipiell gleichwertig sein müssten. Ordnet man versuchshalber dieses Vorgehen in die E-Learning-Vorgehensmodelle ein fällt mir zunächst das SAMR-Modell ein (Substitute, Augment, Modify, Redefine), den hier geht es um eine stufenweise Einführung und Wirkungsentfaltung von Technik im Sinn einer Weiterentwicklung der Lehre. Das „Ersetzen“ von Präsenzlehre selbst ist dabei aber noch keine didaktische Weiterentwicklung ist, sondern „using new technologies in very much the same ways they used older, more familiar technologies.“ (http://www.steve-wheeler.co.uk/2014/11/here-comes-samr.html)- Also „Aufgabe digital online einreichen, anstelle von ausgedruckt im Sekretariat abgeben“, „Forum“ statt „Mailverkehr“, „digitales Lehrmaterial“ statt „Buch“, „Online-Test“ anstelle von „Zwischenklausur“…
Die Idee, die dahinter steckt ist, dass sowohl „Mehrwerte“ als auch medientechnische „Potentiale“ sich bei den AnwenderInnen (in diesem Fall die Lehrenden) realisieren: Und zwar meistens erst im Laufe einer Entwicklung, in deren Verlauf die neue Medientechnik in das Lehrhandeln inkooperiert wird. Es bedeutet auch den Lehrenden darin zu vertrauen, dass sie a) ein Interesse an einer Weiterentwicklung der Lehre haben und b) kompetent und kreativ genug sind oder werden können, dass es nicht bei „altem Wein in neuen Schläuchen“ stehenbleibt.

 

Wie stehts um die Pädagogik?

Ordnet man das, was wir in dem Kurs jetzt vorhaben in erziehungswissenschaftliche Kategorien fällt mir die Achse „selbstbestimmtes Lernen“ – „fremdbestimmtes Lernen“ ein, auf der irgendwo dazwischen das „selbstorganisierte“ und das „selbstgesteuerte“ Lernen liegen. Hier würde ich denken, wir liegen im Bereich der Selbststeuerung, denn Inhalte, Methoden, zeitliche Struktur und Ziele sind vorgegeben. Vermutlich liegt hier der Clou des ganzen Projekts: Es geht darum  einen relativ kleinen Schritt in Richtung „selbstgesteuerten E-Learnings“ zu gehen. Darin wird eigentlich nicht das E-Learning weiterentwickelt – was mal der Ausgangspunt der Beratungsanfrage gewesen war, sondern die organisatorische Rahmung des Lehr-/Lernarrangement unter Anwendung von Medientechnik.

C.P. gewidmet

E-Portfolios als sinnvoller Weg hin zu einer Digitalisierung von Bildung

Zum Community-Call vom 23.09. des German-Chapter des Europortfolio-Projekts, dass von den KollegInnen aus Österreich gestaltet wurde, möchte ich trotzdem es länger zurückliegt, etwas ausführlicher berichten und damit auch noch einmal die Aufzeichnung und die Themen all denjenigen anempfehlen, die sich mit dem Einsatz von E-Portfolios insbesondere in der Schule befassen.
Zunächst berichteten Andrea Ghoneim und Klaus Himpsl-Gutermann aus den Projekten EUfolio und ATS2020. EUfolio startete 2013 und hatte zum Ziel die Anwendung von Portfolios in der Schule in fünf europäischen Ländern zu erproben und zu untersuchen. 70 Schulen, knapp 200 LehrerInnen und über 4000 Schüler in fünf europäischen Ländern waren in der Piltophase beteiligt. Im April 2015 fand die Abschlusskonferenz statt. Weiterhin gewährte uns Petra Szucsich Einblicke in die Ergebnisse der „ePortfolio for KidZ – Studie“ aus 2014.

Beide Berichte gaben uns einen vertieften Einblick in den aktuellen Stand der Portfolio-Arbeit in Europa mit dem Fokus auf Schule. Die Erfahrungen aus der österreichischen Portfolio-Community sind mir stets hochwillkommen weil sie diese einzigartige Mischung aus wissenschaftlicher Fundierung, Orientierung auf die Praxis und Bezugnahme auf das alltägliche Leben zu verbinden wissen.

Das E-Portfolio als PLE – eine erweiterte Definition

Bemerkenswert schien mir die Definition des E-Portfolios, die im EUfolio-Projekt, – lt. Bericht „nach eingehender Diskussion“,  zugrunde gelegt wurde (siehe die Folie 8 in der Präsentation auf http://mahara.eufolio.eu/view/view.php?id=9786):

“E-Portfolios sind dynamische digitale Arbeitsplätze, deren EigentümerInnen die LernerInnen sind. Sie können darin ihr Lernen und ihre Ideen festhalten, haben so Zugang zu ihren Arbeits-Sammlungen, können über ihr Lernen reflektieren, es teilen, sich Ziele setzen, Feedbacks einholen und ihr Lernen und ihre Errungenschaften darstellen.”

Bemerkenswert ist diese Definition deswegen, weil hier weggegangen wird von den „Artfakten“ als Kernelement der bisherigen Portfolio-Definitionen hin zum „digitalen Arbeitsplatz“, also eine Definition die deutlich in Richtung Personal Learning Environments weist. Man kann sagen, dass *das* Portfolio weniger als ein substantieller Gegenstand und mehr als Umgebung und Prozess definiert wurde. Aber auch die enge Verbindung von Portfolio-Arbeit mit der Definition von Kompetenzen im Projekt, die in diesem Fall wohl notwendig abstrakt als „21st century skills“
beschrieben werden macht eine Stärke des Konzepts aus. Damit wird nämlich neben der eher unspezifischen Definition als „digitaler Arbeitsplatz“ auch die inhaltliche Bestimmung der Portfolio-Arbeit als kompetenzorientiert stark gemacht.

Portfolioarbeit stärkt Kompetenzen

Im Unterschied zur oft auf Bewertungsprozesse (Assessment) fokussierten Portfolio-Arbeit in den Hochschulen, war die Anwendung in den Projektschulen auf die Weiterentwicklung der Formen und Methoden von Unterricht konzentriert. Entsprechend erstrecken sich die Erfahrungen und Rückmeldungen auf grundsätzliche Herangehensweisen und Rollenverständnisse rund um den Unterricht. So  werden als wichtige Punkte aus den Rückmeldungen der LehrerInnen vor allem das „Erlernen“ (sic!) von

  • formativer Beurteilung
  • lernerInnenzentriertes Arbeiten
  • IKT-Fertigkeiten

benannt.
Für die SchülerInnen werden vor allem

  • kritisches Denken
  • IKT-Fertigkeiten
  • Selbststeuerung und Selbstreflexion

als unterstütze Kompetenzen formuliert.

Siehe auch den Evaluationsbericht der Pilotphase: Economou, A., & Avraamidou, A. (2015). EU Classroom ePortfolios Pilot Evaluation Results.(PDF)

Hört und liest man diese Ergebnisse, scheint gelungen zu sein, was in optimistischen Entwürfen der E-Portfolio-Arbeit beschrieben wurde – nämlich das Portfolio als Möglichkeit, Lehre und Unterricht in Richtung Lernendenzentrierung, Selbstorganisation und Kompetenzentwicklung zu entwickeln. In den vorgestellten Projekten scheint die Gemeinsamkeit zu bestehen,  dass mit Hilfe der Portfolio-Arbeit Strukturen und Praktiken des Unterricht in Bewegung geraten sind, also eine Entwicklung von Unterricht stattfindet. Wenn man sich also einmal fragen sollte, wie ein konkretes Beispiel für die oft unspezifisch zitierten „Potentiale des E-Learning“ aussehen kann – hier hat man eines.

E-Portfolios als sinnvoller Weg hin zu einer Digitalisierung von Bildung?

Ich müsste bei den Kolleginnen noch mal Nachfragen, ich gehe jedoch stark davon aus, dass es sich bei den E-Portfolio-Anwendungen in den Schulprojekten – im Unterschied zu den meisten Anwendungen in Hochschulen – um die erste und die einzige digitale Lehr-/Lernplattform handelte die eingesetzt wurde. Damit geht es bei den oben genannten Ergebnissen also nicht nur um die E-Portfolio-Arbeit im engeren Sinne, sondern viel mehr auch um die Verfügbarmachung einer digitalen Plattform für das Lernen, Lehren und Arbeiten überhaupt (eben der „digitale Arbeitsplatz“). Ein klassisches LMS oder eine „Ressourcenplattform“ hätten hier sicher nicht die gleichen Effekt gehabt, denn in diesen Systemen sind die Prinzipien des gleichberechtigten Kontakts, des Teilens und der Zusammenarbeit zwar mit etwas Gebastel machbar – stehen aber nicht im Mittelpunkt der Software. Im Gegenteil ist nach meiner Beobachtung die Erfahrung, dass viele Prinzipien des Web 2.0 z.B. mit Mahara Einzug gehalten haben und zwar ohne das es intendiert wäre. So ergibt sich in der Praxis eine enge Verbindung von kompetenzorientierten Ansätzen und dem Web 2.0. Portfolio-Software macht oft zum ersten mal das „Web zum Mitmachen“ jenseits kommerzieller Plattformen verfügbar.