„Teilhabe an Bildung und Wissenschaft“ – Call for Papers für die Jahrestagung GMW 2019

„Teilhabe“ als Anspruch und als Praxis von Bildung. Gemeinsame Jahrestagung von GMW und DelFi 2019 in Berlin

Vom 16. bis 19. September 2019 findet in Berlin die 27. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V. (GMW2019) zusammen mit der 17. Jahrestagung der Fachgruppe E-Learning der Gesellschaft für Informatik e.V. (DeLFI 2019) statt. Das Thema der diesjährigen Tagung ist „Teilhabe“ – durchaus in einem umfassenden Sinn gemeint.
Aus dem Call:
„Teilhabe als Anspruch und als Praxis von Bildung und Wissenschaft bekommt […] eine neue, erweiterte Bedeutung. Diese umfasst den Abbau von Zugangshürden, die partizipative Entwicklung von Inhalten oder die Förderung aktiver Teilnahme durch adaptive und personalisierbare Medien. In der Tagung soll der Blick gleichzeitig auf Bildung und Wissenschaft gerichtet werden: hier ermöglichen Medien und Technologien neue Formen von Kollaboration, Integration, Wissenschaftskommunikation sowie neue Verbindungen von Forschung, Lehre und Publikation.“

Die Deadline für Einreichungen von Textbeiträgen ist der 17.03.2019

Hochschule und Digitalisierung: Was wird in den kommenden fünf Jahren wichtig?

„Welche Themen werden im Zuge der Digitalisierung aus Ihrer Sicht in den nächsten 5 Jahren einen großen Einfluss auf Hochschulen haben?“ hatte das Hochschulforum Digitalisierung gefragt. Um diese Frage zu beantworten, musste ich für mich selber gedanklich ein wenig ausholen. Und weil ich mich gerade öfter mal an Visualisierungen versuche habe ich den Post auch mit „graphischen Elementen“ angereichert.

 

Hochschulen differenzieren sich aus und existieren in einem zunehmend unsicheren Umfeld. Am wahrscheinlichsten ist daher eine „Politik der kleinen Schritte“

TEICHLER hatte 2002 fünf Bereiche benannt, in denen er Prognosemöglichkeiten für die Hochschulentwicklung ausgemacht hatte

  1. Expansion der Bildungsbeteiligung, 
  2. Differenzierung der Hochschullandschaft, 
  3. Steuerungsprobleme in der Organisation der Hochschule, 
  4. Internationalisierung des Hochschulwesens und 
  5. Komplexitätszunahme in der Hochschulorganisation. 

15 Jahre später kann man  feststellen, dass a) diese Palette der Megatrends nach wie vor gültig ist und b) neue Anforderungen hinzugekommen sind, beispielsweise

  • der Ruf nach Kulturwandel und Erneuerung der Lehre (vgl. Wissenschaftsrat 2017), 
  • die zunehmende Heterogenität der Studierendenschaft (vgl. ENQA 2015),
  • die Stärkung demokratischer und humaner Werte (vgl. Oliver Reis auf der dghd-Tagung 2017), 
  • die Bewältigung der Folgen von nationalen Abgrenzungspolitiken, Migrationsbewegungen nach Zentraleuropa und neue Gewalttätigkeit (vgl. einen Blick in Zeitungen und Nachrichten). 
  • Und natürlich die Digitalisierung, die mit neuer Dringlichkeit „von ganz oben“ thematisiert wird.

Wenn ich versuche, diese Phänomene hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Hochschulen auf einen Nenner zu bringen, scheint mir die „Differenzierung“ das allgemeine Bewegungsmuster zu sein. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass auf die diversen, drängenden und stellenweise existentiellen Herausforderungen an die Hochschulen die vielen unterschiedlichen Ausgangslagen und Zielsetzungen zu verschiedenen Bewältigungsstrategien und Handlungsperspektiven führen werden. Damit eng verbunden dürfte ein Zustand sein, der sich in Zeiten beschleunigten Wandels (wann war der eigentlich mal langsam?) und im Hinblick auf komplexe, schwer steuerbare Einheiten ebenfalls eine normale Reaktion sein dürfte: Verunsicherung. Daraus dürfte eine Minderung der Risikobereitschaft folgen und im wahrscheinlichesten Fall eine Strategie der „kleinen Schritte“.

Wie verbreiten sich technologische Neuerungen? Das Diffusionsmodell nach ROGERS

Um die Verbreitung technologischer Innovationen besser zu verstehen sind zwei Modelle hilfreich: Die „Diffusion von Innovationen“ nach ROGERS und der „Hype-Cycle technologischer Innovationen“ nach FENN (auch als „Gartner-Hype-Cycle“ bekannt).

Nach ROGERs teilen sich die Akteure bei der Verbreitung technologischer Neuerungen in zwei gleiche Hälften: Die ersten 50% beinhalten die „Early Adopters“ und die „Early Majority“ also die „Innovator*innen“ und diejenigen, die in den Neuerungen einen Nutzen für sich erkennen können, wobei sie mit einer gewissen Risikobereitschaft ausgestattet sind, die auf dem Vertrauen auf die innovativen
Anwender*innen basiert. Die zweite Hälfte der Anwender*innen teilt sich in „Late Majority“ und „Leggars“ ein. Für beide gilt, dass sie sich erst dann bewegen, wenn es wirklich nicht anders mehr geht.
In der Studie „Monitor Digitale Bildung, Hochschulen im digitalen Zeitalter“ ist vor einigen Monaten festgestellt worden, dass ca. die Hälfte der Angehörigen von Hochschulleitungen und Mitarbeiter*innen der Hochschulen der Digitalisierung der Lehre skeptisch gegenüber stehen. Es ist nicht unplausibel, die „Digitalsierungskeptiker“ in der zweiten Hälfte der Anwendertypen nach ROGERS zu verorten. Allerdings stehen die Skeptiker*innen unter einem nicht unerheblichem Druck. Sich der „Bildung 4.0“ gänzlich zu verschließen scheint angesichts der massiven Interessen aus der Bildungspolitik fast unmöglich. Was wird man also als Hochschulleitung klugerweise machen? Man wird sich an die Themen heranwagen, die bereits von der „Early Majority“ übernommen worden sind. Nach ROGERS sind es diejenigen Handungsoptionen deren

  1. Nutzen nachgewiesen worden ist, die
  2. anschlussfähig an bestehende Praxis sind und für die
  3. eine ausreichende Erfahrungsbasis existiert. 

Für diese Themen gilt, dass sie ein geringes Risiko des Scheiterns darstellen, damit gewinnt man zwar keine Innovationspreise aber man setzt sich auch nicht dem Verdacht aus, sich dem Fortschritt zu widersetzen.

Wie  lässt sich Technologieentwicklung abschätzen? Der Hype-Cycle technischer Innovationen nach FENN

Das FENN-Diagramm beschreibt ursprünglich, wie sich der Aufmerksamkeitsgrad für eine (technische) Innovation im Laufe der Zeit entwickelt. Das Modell unterscheidet fünf Phasen:

  1. Innovation Trigger, 
  2. Peak of Inflated Expectations, 
  3. Trough of Disillusionment, 
  4. Slope of Enlightenment und das 
  5. Plateau of Productivity. 

Im Grunde zeigt die Kurve einen „Einpendelvorgang“ bei dem auf einen kräftigen Impuls hin die Kurve erst stark in die eine Richtung ausschlägt („Gipfel der überhöhten Erwartungen“), dann die Gegenbewegung fast ebenso kräftig einsetzt („Tal der Enttäuschung“) um sich schließlich auf einem höheren Niveau als dass der Ausgangsituation zu stabilisieren („Plateau der Produktivität“). Durch die Beratungsfirma Gartner wird alljährlich ein „Hype-Zyklus für das Bildungswesen“ („Hype Cycle for Education“) erstellt. Neben der schlichten Eleganz ist das Modell wohl auch so populär, weil es sich in der Wirklichkeit immer wieder zu bestätigen scheint. Die Innovationen werden mit ihren Möglichkeiten erprobt, dann werden weitergehende Möglichkeiten und Verbindungen entdeckt und Wirkungsweisen antizipiert. Mit der breiter werden Anwendung werden aber auch Schwierigkeiten deutlich, nicht-antizipierte Wirkungen sichtbar. Wenn Möglichkeiten und Erwartungen sich annähern und die Kinderkrankheiten verschwinden können sich stabile Szenarien entwickeln und kann die Technologie produktiv genutzt werden. In dieser Phase werden neue Technologien auch für die „Late Majority“ interessant.

Die Top-Themen sind nicht innovativ, sondern nutzbringend und erprobt

Ich definiere „Einfluss“ nicht als „Aufmerksamkeit“ sondern meine, dass zur Abschätzung des Einfluss auch der Grad der Verbreitung gehört. Einen „Einfluss auf die Hochschulen“ werden also weniger die innovativsten, neuesten Technologien haben, sondern diejenigen, die sich am schnellsten in der Fläche der Hochschullandschaft verbreiten. Dabei gehe ich davon aus, dass ein spürbarer Einfluss erst dann entsteht, wenn sich deutlich mehr als die Hälfte der potentiellen Anwender*innen einer Technologie zuwenden, wobei ich als „Anwender*in“ jeweils eine ganze Hochschule betrachte, nicht die Individuen die darin agieren. Aufgrund dieser Vorüberlegungen komme ich zu folgender, priorisierter Liste:

Videoinhalte

Die Aufzeichnung von Vorlesungen oder eigens produzierte Lehrmedien im Video-Format haben bereits eine stürmische Verbreitung erfahren. Hardware und Software sind heute, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung von Tablets, erschwinglich und können mit ein wenig Übung ansehnliche Ergebnisse produzieren. Der Erklär-Clip auf Youtube erfreut sich bei Hersteller*innen wie Nutzer*innen wachsender Beliebtheit. Sicherlich ist es und bleibt es weiterhin so, dass wirklich gute Inhalte immer einen entsprechenden Aufwand bedeuten, andererseits hat das Video – zumindest wenn es nicht in High-End-Qualität vorliegen muss – ein unschlagbar gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis oder anders gesagt: Mit Video kann am weitaus günstigsten Content hergestellt werden der in diversen Lehr-Lern-Arrangements flexibel genutzt werden kann.

E-Assessment, im engeren Sinn „E-Prüfungen“

Die ersten großen Testcenter sind jetzt teilweise bereits seit Jahren in Betrieb. Die Erfahrungen sind überwiegend positiv. Die rechtlichen Fragen scheinen so weit  geklärt und in der Praxis bewähren sich die Formate und Settings. Die Nachfragen von Lehrenden mehren sich.  Getrieben wird die Entwicklung von hohen Studierendenzahlen und vermehrten Prüfungsaufwand durch Modularisierung. In der Skalierung lassen sich sogar ökonomische Vorteile erahnen und die Akzeptanz bei Prüflingen und Lehrenden ist hoch.

E-Portfolio

Auch E-Portfolios haben, relativ unbemerkt, einen steilen Aufstieg hingelegt. Mit MAHARA steht eine reife, freie Plattform zur Verfügung, in der Lehrer*innenbildung ist die Portfolioarbeit flächendeckend (?) curricular verankert. E-Portfolio-Plattformen in ihrem jetzigen Erscheinungbild stellen den nächsten technologischen Schritt nach den hierarchisch organisierten Learning-Management-Systeme dar und machen die Prinzipien des Web 2.0 für Lehr-Lernszenarien im geschützten „Bildungsraum Hochschule“ verfügbar. In mehr und mehr Lehr-/Lernszenarien, insbesondere wenn Kompetenzorientierung deutlicher hervorgehoben werden soll, wird das Portfolio zur ergänzenden oder zentralen E-Learning-Plattform.

Mobile Anwendungen, Apps auf Smartphone und Tablet

Die App-Technologie hat zwar die Bildung nicht revolutioniert, für begrenzte Anwendungsbereiche machen die mobilen Programme aber einen guten Job. Apps und Mobile Webseiten werden für Audience-Response-Systeme (alternativ zum „Clicker“-System) eingesetzt, diverse Spielarten von Quiz- und Karteikarten-Apps sind verfügbar (und warten oftmals auf Inhalte und Nutzer*innen). Die Hochschul-App, vorrangig als mobiles Informations- und Service-Portal verstanden, ist eine sinnvolle Ergänzung für die Informations- und Kommunkationsstruktur der Hochschschulen (Mensaplan!). Apps machen hier nicht nur Sinn, sie sind außerdem bezahlbar und beim Publikum äußerst beliebt.

Cloud-Dienste

Ein paar Hochschulen (z.B. die Uni Potsdam) und die Planungen zur „Schulcloud“ zeigen es: Die Nutzung von „Software as a Service“ und von Online-Speichern ist auch für Bildungseinrichtungen machbar. Es erfordert allerding schon ein einigermaßen handlungsfähiges und experimentierfreudiges Rechenzentrum um einen Cloud-Dienst für eine Bildungsinstitution anzubieten. Das ist nicht nur eine Frage von Infrastruktur und Dienste-Architektur, sondern auch von Sicherheit. Da holt der ein oder die andere IT-Verantwortliche schon mal tief Luft…  Die Risiken scheinen aber beherrschbar, die Vorteile hingegen immens und überdies für jeden leicht nachvollziehbar, die Unabhängigkeit von kommerziellen Anbietern und Bedingungen sind ein wirkliches Argument. Daher dürften auch die Cloud-Dienste ein heisser Kandidat für eine Technik sein, die sich bald an Hochschulen weiter verbreitet.

Blended Learning als Substitution von Präsenzlehre

Blended Learning ist keine Technik aber ein Kind der Digitalisierung. Gemeint sind E-Learning-Szenarien, in denen die computerunterstützen Anteile (in der Regel online) didaktisch-methodisch in das Lehr-/Lernsetting integriert und obligarisch zur Erreichung der Lehrziele sind. In aller Regel bedeutet das aber nicht, dass Präsenzanteile der Lehre dadurch ersetzt werden, die weitaus häufigste Nutzungweise dürfte in der Anwendung zwischen den Präsenzterminen liegen. Andererseits ist vielfach erprobt und auch belegt, dass gut gemachte Online-Szenarien den Präsenzsituationen in punkto Lernwirksamkeit, Kompetenzentwicklung und Studienleistungen in Nichts nachstehen. Gleichwohl ist die aktive Nutzung von Online-Szenarien anstelle von Präsenzlehre noch ein wirkliches Innovationspotential. Die Technologie dafür ist schon länger bekannt, die Umsetzung hängt von der Beweglichkeit der Lehrenden und der Hochschulleitungen ab, solche Lehr-/Lernarrangement als Regelfall zu akzeptieren. Die Diskussion um das Lehrdeputat – als Regelungsaufgabe oder als Aufgabe für eine neue Praxis – wird uns jedenfalls in den kommenden Jahre stärker beschäftigen.

Studierende lieben gute Lehre mit digitalen Medien

Die Bertelsmann Stiftung hat, maßgeblich durch das mmb Institut erstellt, den zweiten Band des „Monitor digitale Bildung“ mit dem Untertitel „Die Hochschulen im digitalen Zeitalter“ herausgegeben

 

Die Studie basiert auf den Aussagen von über 2.759 Studierenden, 662 Lehrenden und 84 Personen aus Hochschulleitung und -verwaltung und darf damit wohl als eine der größten und fundiertesten Befragungen zum Thema in jüngster Zeit gelten.
Zur Zusammenfassung der Studie schreibt die Bertelsmann-Stifung

„Die Digitalisierung ist für die Hochschulen kein neues Thema mehr, sie sind im digitalen Zeitalter angekommen. Die bisherigen Anstrengungen haben aber auch noch nicht ausgereicht, um einen flächendeckend guten Standard in Sachen digitaler Lehre zu etablieren.“ 

Das klingt zunächst nicht spektakulär und deckt sich mit dem Eindruck, den z.B. die Abschlusskonferenz der ersten Runde des Hochschulforums Digitalisierung im Dezember 2016 hinterlassen hatte.

Lieben Studierende die Kreidetafel? – Keine Digital Natives in Sicht…

 

aus dem dhv-Newsletter

Die Aufmacher mit dem die Studie zur Zeit rezipiert wird klingen hingegen anders: „Studenten lieben die gute alte Tafel […] Deutschen Studenten ist es mehrheitlich egal, ob Dozenten an der Uni digitale Medien einsetzen.“ schreibt FAZ.net, „Vorliebe für die
Kreidetafel“ der dhv-Newsletter und das Hochschulforum Digitalisierung titelt „Studierende sind keine digitalen Enthusiasten“.

Und tatsächlich: Einen Dämpfer erhalten laut der Studie diejenigen, die bei der Digitalisierung der Lehre auf die Studierenden als aktive Beteiligte setzen, die als neue Generation (vgl. Marc Prensky’s initalen Artikel zu den Digital Natives ) den Lehrenden und der Hochschule Druck zur Digitalisierung machen und mit neuen Mediennutzungsgewohnheiten (nicht nur) die Hochschulen „von unten“ aufmischen. Denn die Studierenden scheinen lt. der Studie den Einsatz von klassischen Unterrichtsmitteln und die Fachlichkeit der Dozent*innen mindestens genauso hoch zu schätzen wie den avancierten Medieneinsatz. Hoch geschätzt von Studierenden wird die Flexibilität, die das E-Learning ermöglicht, der Wunsch ist hoch, dass Dozent*innen öfter etwas Neues ausprobieren. Dafür ist – auch wenig verwunderlich – die aktive Erstellung von Medieninhalten bei den Studierenden weniger beliebt. In der Studie wird dazu folgendes ausgeführt:

Es trifft auf jeden Fall nicht zu, dass Studierende allein wegen ihrer allgemein verbreiteten Nutzung des Internets, sozialer und mobiler Medien auch beim Lernen und Studieren digitale Medien und Formate präferieren. Zwar wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Studierenden (über 80 Prozent) digitale Medien und Videoangebote rund um die Lehrveranstaltung (nicht zuletzt deshalb, weil Lernangebote dadurch selbstständig ausgewählt und genutzt können). Traditionelle akademische Lehrformate, die ohne digitalen Medieneinsatz auskommen, lehnen sie aber deswegen nicht gleich ab.“ (Seite 34-35)

Nochmal zum mitlesen: Sie präferieren digitale Formate nicht gegenüber der Präsenzlehre aber sie lehnen diese nicht ab, sondern wünschen sich tendentiell sogar mehr davon. Sinn machen diese Aussagen dann aus meiner Sicht, wenn diese im Kontext der Studie betrachtet werden und dort lauten Kernaussagen zum Beispiel:

  • Die didaktische Potentiale bleiben oft ungenutzt.
  • Bei Lehrenden dominiert oft noch die Skepsis.
  • Hochschulleitungen sehen Potentiale für mehr Effizienz angesichts des Zustroms und der Heterogenität der Studierenden: Individuellere, differenziertere Durchführung sowie bessere Analysemöglichkeiten der Lehre scheinen möglich.

Eine entscheidende Aussage lautet, das sich Leitungen und Verwaltungen in Hochschulen
in zwei gleich große Lager teilen: „Digitale“ Verfechter und „analoge“ Skeptiker (wobei es sehr schade ist, dass hier wieder auf das unselige „analog vs. digital“ zurückgegriffen wird).

Studierende lieben gute Lehre, in allen Medienformaten

Alternativ zu „Studierende lieben die Kreidetafel“ können die Ergebnisse denn auch so interpretiert werden:

  • Studierende sind keine Treiber der Entwicklung sondern Nutzer! Studierende möchten vor allem eines: Gute Lehre, unabhängig vom Medium. Sie möchten aber die Vorteile des E-Learning nicht missen.
  • Die Schlüsselrolle liegt bei den Lehrenden: Wo es keine Angebote gibt, gibt es keine Nutzer. Gleichzeitig ist bei der didaktischen Qualität der Angebote noch viel Luft nach oben.
  • Sorgen sollte einem eher die Aussage machen, dass die Hälfte (!) der Hochschulleitungen und Mitarbeiter in Hochschulen dem E-Learning skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Das ist wirklich ein Problem: Nicht um das E-Learning um des E-Learning willen einzuführen, sondern um dessen didaktischen Qualitäten überhaupt entwickeln zu können.

E-Learning und die Digitalisierung der Hochschule

Was bedeutet „Digitalisierung der Hochschule“? Und was hat es mit E-Learning zu tun?

Die Digitalisierung im Zusammenhang mit der Hochschule ist in aller Munde, was sich an der Menge der thematischen und themenverwandten Publikationen, Ausschreibungen und Tagungen zeigt. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber: „Digitalisierung“ ist ein vielschichtiger und nicht leicht eingrenzbarer Begriff. Mal geht es um Digitalisierung der Hochschule, dann wieder um die Digitalisierung der Hochschullehre, überlappend mit den Anforderungen an Bildung in einer digitalisierten Gesellschaft. Diese drei Themen sind natürlich aufeinander bezogen, adressieren aber verschieden Handlungsfelder, verschiedene Akteure und gestalten sich nach verschiedenen Spielregeln.

Die Stellung des E-Learning ändert sich in der digitalisierten Hochschule

Die Bedeutung von E-Learning, so wie es heute verstanden wird, erwächst in erster Linie aus der Anwendung digitaler Medientechnologie für die Gestaltung von Lehr-/Lernarrangements, also wesentlich auf die Hochschullehre bezogen. Von dieser Postion aus waren und sind die Akteure im E-Learning Vorreiter(innen) und Impulsgeber(innen) für die Digitalisierung der Hochschule und haben die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen in der Bildungsorganisation und im Bildungsbegriff reflektiert und daraus Impulse für Weiterentwicklungen entwickelt. So weit, so gut.

Diese Stellung im digitalen Bildungsgeschehen findet sich aber heute aber in einem gewandelten Umfeld wieder, es wird immer stärker sichtbar, dass es sich beim E-Learning i.e.S. um einen Teilbereich einer Gesamtentwicklung „Digitalisierung“ handelt. E-Learning ist heute vollständig ein Teil der digitaliserten Bildungswelt – zumindest in der Hochschule.
Ich mache dafür vier Schlüsselanwendungen aus, die diesen Prozess illustrieren:

  1. Blended-Learning 
  2. E-Learning 2.0
  3. Mobile Learning 
  4. MOOCs
Grafik Digitalisierung der Hochschule - CC0

Während in der (ersten) Blended-Learning-Ära noch das didaktische Experimentieren und in-die-Hochschule-Reinholen von und mit digitalen Werkzeugen und webbasierten Anwendungen im Mittelpunkt stand, hat mit der Entwicklung des Web 2.0 der Kompass der „Digitalisierungsrichtung“ schon gekreiselt. Mit E-Learning 2.0 wurde die Diskussion um die Digitalisierung der Hochschule quasi uni-direktional, die Impulse und Rahmenbedingungen kamen von innen und von außerhalb der Hochschulen. Mit dem Emergieren des Mobile Learning als Synonym für die ständige Vernetzung („Onlife“) spätestens wurde deutlich, dass die Digitalisierung von Lehre (E-Learning) mit den digital vernetzt lebenden Lernenden und Lehrenden zu tun hat, dass es kein analoges Leben mehr im Digitalen geben kann und folglich auch kein solches Bildungsgeschehen. Mit dem MOOC-Movement schließlich – so meine Wahrnehmung – wurde das erste mal nicht mehr die „Digitalisierung von …“ zum Thema, sondern es ging plötzlich um die Frage, ob die Organisationsprinzipien und -strukturen der akademischen (Aus-)Bildung insgesamt in einer digitalisierten Welt noch Bestand haben (sollen oder werden). Ich denke es war dieser Zeitpunkt, an dem mit einem Paukenschlag sichtbar wurde, dass die Digitalisierung einerseits einen gewaltigen Einfluss auf die Gestaltung von Lehre haben wird, wenn sie mit der „Digitalisierung des Lebens“ in Resonanz ist, dass wir dann aber nicht mehr von E-Learning im engeren Sinne sprechen können. Es geht dann eher um die Digitalisierung der Bildung auf allen Ebenen.

Was wird digitalisiert?

Es geht um drei Ebenen in denen die Veränderungsprozesse stattfinden, die wir mit Digitalisierung in Verbindung bringen:

  1. Die Hochschule als Einrichtung, durch Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Zu diesen Prozessen gehören neben der Lehre auch Forschung, Verwaltung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.
  2. Die Veränderungs(möglichkeiten) der Lehr-/Lernarrangements und Lernaktivitäten durch den Einsatz von Medientechnologien (E-Learning im engeren Sinne) und die 
  3. Veränderung des Auftrags und Zielsetzung der (akademischen) Ausbildung in einer von Digitalisierung geprägten Welt.

Die Digitalisierung betrifft (1) die Organisation, (2) die Formen und (3) die Inhalte der hochschulischen Bildung.

 

Was bedeutet Digitalisierung für die Organisation der Hochschule?

Sprechen wir von der Digitalisierung der Hochschule so ist damit insbesondere die Einführung von IT-gestützten Prozessen für die in einer Hochschule anfallenden Arbeitsprozesse und Datenverarbeitungsaufgaben gemeint. Was dort bei der Einführung von IT-gestützten Prozessen im Einzelnen geschieht, kann gut verglichen werden mit den Vorgängen in Unternehmen und Verwaltungen: In der Regel eine Kombination aus der Formalisierung und Standardisierung von Abläufen, der Nutzung von EDV auf allen Stufen (Datengenerierung!) sowie Automatisierung der Entscheidungsabläufe und Informationsweitergabe. Da dieser Prozess innerhalb der Hochschulen schon ein paar Jahre am laufen ist und zwar vielfach dezentral und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, ist eine der aktuellen Hauptaufgaben die Integration. Integration bedeutet dann aber auch, dass der „Kernprozess Lehre“ als Teil einer größeren Bewegung betrachet werden müsste.

Was bedeutet das für die E-Learning-Akteure?

Wenn die These stimmt, dass E-Learning heute einen Teilbereich der Digitalisierung der Hochschule darstellt, müssen sich dann nicht auch die Handlungsbedingungen und die Ziele des E-Learning (im Sinne von: Gestaltung der Digitalisierung der Lehre) anders darstellen? Das könnte beispielsweise bedeuten:

  • Klarzustellen, dass es kein analoges Lehren und Lernen mehr in einer digitalsierten Welt geben kann. Das dieses Statement in manchen Ohren wie ein Angriff klingt, ist ein Ausdruck für die damit verbundenen grundlegenden Veränderungen. Es ist überaus spürbar, dass dieser Prozess in Kernbereiche der Wissensproduktion, Wissensvermittlung und Bildung hineinwirkt.
  • Dass E-Learning Akteure sich darauf konzentrieren, aus ihrer Perspektive und mit ihren Mitteln die Digitalisierung der Lehre zu betreiben, sie aber nicht die Digitalisierung der Hochschule in den Fokus stellen sollten. Dieser Prozess erfordert neue Akteursgemeinschaften. Wir müssen uns darauf einrichten, das sich der „Kernprozess Lehre“ sich durch digitale Technologien grundlegend verändert, ohne das dies nach „didaktischen Spielregeln“ erfolgt.
  • E-Learning-Akteure sollten mehr Energie darauf verwenden, die eigenen Ideen, Konzepte und Entwicklungsimpulse detailreicher in medientechnologische Anforderungen zu übersetzen. Didaktische Kategorien reichen nicht mehr hin, komplexe mediengestützte Lehr-/Lernumgebungen zu gestalten.
  • In den Entwicklungsprojekten muss eine Balance gefunden werden zwischen der in der Tendenz ergebnisoffenen didaktischen Ermöglichung und der in der in der Tendenz produktorientierten technischen Realisation. Das beinhaltet m.E. einen anderen Umgang mit Komplexität, der genau nicht deren Beseitigung („Komplexitätsreduzierung“) zum Ziel haben kann, sondern deren Gestaltung.

Studie entzaubert E-Learning

„E-Learning“ ist ja bekanntermaßen kein besonders gut definierter Begriff. Wenn also eine Pressemitteilung mit der „Entzauberung“ desselben um Aufmerksamkeit wirbt, liegt die Frage nahe, um was es da eigentlich geht. In erster Linie geht es um eine Pressemeldung zur Ankündigung der Veröffentlichung einer Promotion von der Uni Rostock, die via idw-Newsfeed Verbreitung gefunden hat. Der Inhalt ist entsprechend pressemitteilungsmäßig knapp und komprimiert und besagt ungefähr folgendes: Frau Dr. des. Wigger hat eine Feldstudie zur „Wirksamkeit von Blended Learning in der Hochschule“ durchgeführt, was für sich genommen ein relevantes Vorhaben darstellt, auf dessen Ergebnisse man gespannt sein darf – wenn die Studie dann veröffentlicht ist, was für Ende des Jahres geplant ist. So lange wollte die Abteilung für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Uni Rostock aber nicht warten:

„Ihr [Frau Wiggers] ernüchterndes Fazit: ‚E-Learning-Studierende würden lieber Präsenzveranstaltungen besuchen und konventionell Studierende sind fachlich besser.‘ Die befragten Studentinnen und Studenten machen dafür das ungewohnte, vollständig eigenständige Arbeiten und den damit verbundenen Zeitaufwand verantwortlich. Sie schätzen die untersuchten Fächer als zu schwierig für das selbstständige Lernen ein. Insbesondere Studienanfänger fühlten sich durch das E-Learning überfordert.“

Ergebnis der Studie sei also, dass „E-Learning-Studierende“ überfordert und E-Learning daher ungeliebt sei. Damit wird jedoch natürlich eine ganz bestimmte Spielart des E-Learning beschrieben, bzw. nur ein ganz bestimmtes Setting, nämlich das mehr oder weniger vollständig online und asynchron stattfindende E-Learning, beispielsweise eines xMOOCs. Verwirrenderweise geht es laut Titel der Arbeit aber um „Blended Learning“ – also definitionsgemäß ein „gemischtes“ Setting, dass eben genau nicht nur auf Selbstorganisation und Selbststudium beruht, sondern mit anderen Formaten der Lehre durchsetzt ist. Einmal auf diesen impliziten Begriff des E-Learning reduziert machen auch die folgenden Sätze Sinn:

„Zwei Schlussfolgerungen liegen nahe:

  • Die Schule bereitet nicht hinreichend auf das eigenständige Arbeiten vor. Deshalb sollten die Hochschulen ihre Studierenden unterstützen und zumindest anfänglich gezielte Angebote zum Zeitmanagement und zu Lerntechniken machen.
  • E-Learning darf an Hochschulen nicht weiter nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden. Es sollte eine Beschränkung auf Fächergruppen, für die E-Learning pädagogisch geeignet ist, und auf höhere Fachsemester erfolgen.“

Da regt sich Widerspruch bei mir, denn

  • erstens lösen „Zeitmanagement und Lerntechniken“ in der Regel nicht das Problem der Studierenden mit der Selbstorganisation, da wären auch andere Ansätze in der Lehre und Lehrorganisation selber notwendig (vgl.  die Zeitlast-Studie von Schulmeiser et al.)
  • zweitens würde eine „Beschränkung“ auf Fächergruppen oder Semesterstufen das Problem auch nicht angehen sondern einfach Teile der Studierenden von der geforderten Selbstorganisation „entlasten“ – die Möglichkeit E-Learning angemessen zu gestalten, wird ausgeblendet.

Das Problem ist, dass diese Pressemitteilung genau das unterstützt, was sie kritisiert: Sie prolongiert einen einseitigen, engen, den Bedarfen von Studierenden nicht entsprechenden Begriff von „E-Learning“ und stellt dann fest, dass dieser nicht zum Nutzen des Studiums ist. Wesentlich differenzierter klingt es, wenn die Autorin selbst zu Wort kommt:

„Meine Untersuchung versteht sich als Problemindikator. Die aufgezeigten Schwierigkeiten müssen nicht zwingend in jedem als E-Learning angebotenen Studiengangsmodul auftreten, da die Disziplinen sehr unterschiedlich sind“, macht Christina Wigger deutlich. Eines aber steht fest: „E-Learning kann die konventionelle Lehre nicht ersetzen, nur fachspezifisch in ausgewählten Modulen ergänzen und vertiefen.“

Das kann man – vielleicht mit Abstrichen – unterschreiben, neu ist es aber nicht und Zauberei auch nicht.

E-Learning in der Normalität?

Anmerkungen zu einer bekannten Schlagzeile

Ich habe inzwischen das Gefühl, auch diese Nachricht habe ich schon mehr als einmal gelesen.
Die Meldung des „Standards“ hatte es diesmal zuerst auf meinen Feedreader geschafft: Unter dem Titel „E-Learning wird zum Alltag“ werden wir aufgeklärt:

Grafik Autobahnschild„Das E-Learning verliert das E und wird ein Alltagsfeature“, ist Erwin Bratengeyer, Leiter des E-Learning Centers an der Donau-Universität Krems überzeugt.“

Ich weiß nicht was der geschätzte Erwin Bratengeyer wirklich gesagt hat, die Botschaft erkenne ich wohl, allein: ‚Learning mit verlorenem E, dass zum Feature des Alltags wird‘ erscheint mir genau die Art von Worthülse, die so sehr nach krampfigem Modernismus klingt, das dies gerade nicht Normalität demonstriert, sondern den Wunsch danach. Aber selbst Bundeskanzlerin Merkel  kennt inzwischen das Wort „E-Learning“, wie Heise.de, tapfer gegen den Duden anschreibend, vermeldete:

„Industrie 4.0, intelligente Netze, Breitband und die Unterstützung in MINT-Fächern durch e-Learning spielen in der künftigen IT-Strategie der Bundesregierung eine wichtige Rolle.“

Schön auch hier die Einschränkung: E-Learning wird keineswegs als Normalität sondern zur „Unterstützung in MINT-Fächern“ erwogen.

 

„Optimale Lernatmosphäre“ – noch nicht normal

Wenn man weiterhin – mehr regionalwirtschaftlich – den Bericht vom Webmontag Berlin (Thema „E-Learning“) parallel zurate zieht, dann wird aus der (zumindest der Berliner) E-Learning-Start-Up-Szene  auch keine „Normalität“ gemeldet,
sondern Handlungsbedarf zur Verbesserung der Bildung (endlich!). Das liest sich so:

Learning should be fun ist das Motto. […] Die Speaker gewährten interessante Visionen auf eine neue Form des Lernens, die vielen traditionell noch als trocken und unpersönlich bekannt ist. Wichtige Erkenntnisse zu einer optimalen Lernatmosphäre finden dabei Berücksichtigung. Man darf also gespannt sein …“

Die Passage gibt einerseits einen realistischen Einblick in die üblichen Verwirrungen zwischen „Lernen“  und „Lehren“ (hier: ‚trocken und unpersönlich‘) und andererseits ein Zeugnis der Überschätzung der Rolle der E-Larning-Akteure (hier: die Herstellung einer  ‚optimalen Lernatmosphäre unter Berücksichtigung wichtiger Erkenntnisse‘). Eigentlich klingen diese Visionen in meinen Ohren aber irgendwie gewohnt-altbacken-modern-immergleich. Wenigsten in dieser Hinsicht scheint alles normal.

 

Brot und Butter

Mehr zur Frage „Was ist Normalität beim E-Learning?“ verraten da schon die die Begründungen für die Preistvergabe des „E-Teaching-Awards 2012“ sowie des „Athene-Preises für Gute Lehre 2012“ der Technischen Universität Darmstadt (in Auszügen):

  • „Dipl.-Psych. Henrik Bellhäuser [da das] wissenschaftlich hervorragend fundierte und auf andere Fachbereiche übertragbares E-Learning-Trainingsprogramm […] wirksam die Selbstregulationskompetenz. [fördert] […]
  • Dr. Guido Rößling [für den] intensiven Einsatz von E-Learning in der Lehre und sein umfassendes und kontinuierlich um Selbstlernelemente erweitertes E-Teaching-Angebot. […]
  • Prof. Dr. Alexander Benlian [mit dem] auf Interaktivität ausgerichteten Blended-Learning-Szenarios, bei dem verschiedene Web 2.0-gestützte E-Learning-Werkzeuge eingesetzt werden […].“

Ich zitiere das, weil diese Begründungen m.E. ein authentisches Bild des normalen E-Learnings (an den deutschen Hochschulen) zeichnet:

  • Die Praxis des E-Learning ist „not-too-fancy“ – es geht (natürlich auch im Kontenxt dieses Preises) um Lehre im engeren Sinn, um das Brot-und-Butter-Geschäft der Lehrenden und der E-Learning-Szenarien in den Hochschulen. Normalität in diesem Sinn ist vor allem die Verlängerung bekannter didaktischer Praxis ins Netz.
  • Es geht immer auch um die gelingende Verbindung von Didaktik und Technik in der Praxis: „Selbstregulation“, „Selbstlernen“ und „Interaktivität“ sind keine technischen Kategorien. JedeR einzelne der PreisträgerInnen hat für sich diese zwei Dimensionen zu einer offenbar gangbaren Praxis vermittelt. Normalität in diesem Sinn ist immer auch ein kreativer Akt der Synthese von Technik, Fachdidaktik, Methdodik und Pädagogik.

Normalität zeigt sich nicht in Überschriften und Schlagzeilen sondern in deren Ausbleiben. PC ist wichtigstes Arbeitsmittel in der Universität wäre wohl keine Meldung wert. Deutlich ist daher, dass sich in solchen Schlagzeilen eher der Wunsch nach Normalität artikuliert, als der behauptete Ist-Zustand. Wenn die Beobachtung von John Naughton „Disruption for the net, is not a bug but a feature“ zutrifft, dann wird sich eine neue Normalität auch im E-Learning dadurch kennzeichnen lassen, dass es sich von Zeit zu Zeit sprunghaft verändert. Wenn allerdings Normalität mit Ubiquität gleichgesetzt wird, dann deutet sich durch die Herausbildung des permanent und überall verfügbaren Internet und der massenhaften Verbreitung der entsprechenden Endgeräte eine neue Qualität der Digitalisierung und Vernetzung auch im Bildungskontext an, der sich um dass Schlagwort Mobile Learning gruppiert (zur Sprachverwirrung siehe oben…)